Waldpädagogik

Im Waldkindergarten begleiten wir jedes Kind ganz­heitlich in seiner Entwicklung – mit Blick auf seine individuellen Stärken, Interessen und Bedürfnisse.

Unsere pädagogische Arbeit orientiert sich am Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan (BEP) sowie an der Naturraum­pädagogik und Philosophie von Ingrid Miklitz (Expertin für BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung).

Die Kinder verbringen das ganze Jahr im Freien und erleben den Rhythmus der Jahreszeiten unmittelbar, körperlich und mit allen Sinnen. Sie beobachten, wie Pflanzen keimen, blühen und vergehen, wie Tiere ihren Lebensraum gestalten und verändern, wie Frost den Boden härtet und Regen ihn wieder weich werden lässt.

Waldpädagogik

Sonne, Regen, Nebel und Schnee sind keine Hindernisse – sie sind Teil des Lernens. Der Wechsel der Jahreszeiten wird nicht erklärt, sondern erlebt: Kinder spüren, wie die Erde im Frühling erwacht, beobachten, wie Tiere und Pflanzen sich dem Sommer, Herbst und Winter anpassen, und begreifen so ganz unmittelbar, dass alles im Fluss ist und Veränderung zum Leben gehört. Direkte Naturerfahrungen sind die wertvollsten Bildungserlebnisse – weil sie nicht simuliert, sondern wirklich erlebt werden.

Freispiel und angeleitetes Spiel, Singen, Malen, Klettern, Werkeln, Vorlesen und die Möglichkeit, einfach zur Ruhe zu kommen – all das findet bei uns täglich im Wald statt. Nicht nach Plan, sondern nach Jahreszeit, Wetter und dem, was die Natur uns an diesem Tag anbietet.

Auf vorgefertigtes Spielzeug wird im Wald bewusst verzichtet. Stattdessen werden Stöcke zu Zauberstäben, Steine zu Schätzen und Lehm zur Knetmasse. Die Kinder erschaffen sich ihre Spielwelt selbst – mit Phantasie, Kreativität und den Materialien, die der Wald mit jeder Jahreszeit neu bereitstellt.

Die Bedeutung von Freispiel

Im Freispiel sind die Kinder die Experten. Sie wählen selbst, wo sie spielen, mit wem, womit und wie lange. Sie organisieren ihre Spielwelt, lösen Konflikte, erfinden Regeln und verarbeiten Erlebtes. Im Wald bedeutet das: grenzenlose Möglichkeiten in einem natürlichen Rahmen.

Freies Spiel im Waldkindergarten heißt selbstbestimmtes Spiel in Bezug auf:

  • die eigene Zeiteinteilung innerhalb der Freispielphase
  • die Wahl des Ortes im Naturraum – im Rahmen gemeinsam gesetzter Grenzen
  • die Wahl des Ortes im Naturraum – im Rahmen gemeinsam gesetzter Grenzen
  • die Auswahl von Materialien aus dem, was die Natur bereithält
  • die Teilnahme oder Nichtteilnahme an offenen Angeboten
  • die Entscheidung, ob das Kind alleine spielt, sich einer Gruppe anschließt oder
  • sich selbst Spielpartner sucht

„Freispiel heißt also auch immer für das Kind, sich selber unter den gegebenen Bedingungen zu strukturieren, Entscheidungen zu treffen, zu kommunizieren, zu reagieren.“

Miklitz, Ingrid: Der Waldkindergarten. Dimensionen eines pädagogischen Ansatzes. 4. Auflage. Cornelsen Verlag, Berlin 2011, S. 136.

Entwicklungsbereiche

Schulvorbereitung

Schulvorbereitung

Schulreife bedeutet für uns weit mehr als Stift halten und stillsitzen können. Sie umfasst die gesamte Persönlich­keit des Kindes – seine Stärken, seine Neugier, seine Belastbar­keit und seine Fähig­keit, mit anderen zu leben und zu lernen. Unsere qualifizierte Schul­vorbereitung orientiert sich am Hessischen Bildungs- und Erziehungs­plan und fördert alle Entwicklungs­bereiche ganzheitlich: Körper und Bewegung, Sprache, soziales und emotionales Lernen, mathe­matisches Denken, Kreativität und Lebenspraxis.

Unsere Schulhüpfer treffen sich dafür einmal pro Woche als eigene Gruppe – für gezielte Angebote, gemeinsame Rituale und den besonderen Zusammenhalt der zukünftigen Schulkinder. All das wächst bei uns nicht nur im Sitzen, sondern auch im Tun. Im Klettern, Forschen, Streiten, Versöhnen und Staunen. Denn ein Kind, das den Wald kennt, kennt sich selbst.

Regeln

Im Waldkindergarten gibt es feste Regeln – sie dienen der Sicherheit und Gesundheit aller Kinder und sind bewusst einfach, nachvollziehbar und verständlich gehalten. Daneben gibt es Regeln, die verhandelbar sind: saisonal angepasst, auf die Gruppe abgestimmt und gemeinsam mit den Kindern regelmäßig auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft. So erleben die Kinder Partizipation und Demokratie ganz praktisch im Alltag. Für alle Kinder – auch die Jüngsten – werden Regeln mit Hilfe der älteren Kinder schnell zur gelebten Selbstverständlichkeit.

Für die Kinder sind alle Regeln im Alltag als selbstverständlich integriert. Schon die kleinsten Kinder lernen, mit Hilfe der größeren Kinder, sich an diese Regeln zu halten.

Regeln für Kinder

🚨 Sicherheit

  • An den bekannten Haltepunkten wartet jedes Kind, bis alle angekommen sind
  • Auf Rufen wird geantwortet – immer
  • Mit Stöcken wird nicht gerannt, keine Stockkämpfe
  • Alle bleiben in Sicht- und Hörweite der Fachkräfte
  • Vorsichtiger Umgang mit Stöcken und Steinen
  • Schnitzen und Sägen nur unter Aufsicht
  • Kein Balancieren auf feuchten Baumstämmen
  • Nicht auf Holzpolter klettern – Wegrollgefahr
  • Feuer und Streichhölzer nur unter Aufsicht
  • Giftige Pflanzen und saisonale Gefahren besprechen wir regelmäßig aktuell
  • Blätter, Pflanzenteile und Früchte werden nicht ohne Erlaubnis probiert

💧Hygiene

  • Wasser aus Gewässern wird nicht getrunken
  • Das Essgeschirr wird nicht zum Wasserholen benutzt
  • Vor dem Essen werden die Hände gewaschen
  • An jedem Platz gibt es feste Pipi-Stellen
  • Im Winter sprechen die Kinder vor dem Ablegen eines Kleidungsstückes mit der Fachkraft

🌳 Umgang mit der Natur

  • Wir lassen keinen Unrat im Wald zurück
  • Unrat, den wir finden, entfernen wir gemeinsam
  • Alle Pflanzen bleiben stehen – wir befinden uns im Naturschutzgebiet
  • Tiere werden möglichst in ihrem Lebensumfeld belassen
  • Tierbauten werden entdeckt, beobachtet und unberührt gelassen
  • Zur Beobachtung aufgenommene Tiere werden bald am Fundort freigelassen
  • Gläser mit Tieren werden nicht der Sonne ausgesetzt

💬 Darüber hinaus gelten:

  • Gesprächsregeln
  • Höflicher Umgang mit anderen Waldbesuchern

Regeln für Eltern

  • Abmeldung bei Krankheit oder Urlaub per App (stay informed)
  • Pünktlichkeit beim Bringen und Abholen sowie bei Terminen
  • Probleme direkt ansprechen – jedoch nicht vor den Kindern
  • Einhaltung unseres Vollwertkonzepts bei der Brotzeit
  • Wertschätzende und transparente Zusammenarbeit
  • Regelmäßiger Blick auf den Wetterbericht
  • Wettergerechte Kleidung selbständig mit den Kindern aussuchen
  • Unterstützung des pädagogischen Alltags – zum Beispiel durch das Einhalten gemeinsamer Absprachen